Mittwoch, 26. August 2015

Grippemittel helfen gegen E. coli- Irrtum oder Wahrheit?


Es war schon immer so: Ein Forscher findet immer das was er finden will. Und die Forscher in der Schweiz haben nun mit hoher Wahrscheinlichkeit einen weiteren Markt für ein bekanntes Grippeschutzmittel gefunden.

Diese Feststellung gehört in den Bereich der Irreführung. Es steht keineswegs fest, dass diese Mittel gegen E.Coli wirken.

w.sto-2015-08-26




http://derstandard.at/2000021230018/Grippemittel-helfen-gegen-E-coli

Grippemittel helfen gegen E. coli
25. August 2015, 12:15
Forscher konnten zeigen, dass ein Kohlehydrat der Darmschleimhaut bestimmte Colibakterien stark vermehrt und so Entzündungen verursacht. – Grippemittel könnten eine Therapieoption sein


foto: reuters/leonhard foeger
Grippemedikamente wie Tamiflu könnten auch bei entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt werden, meinen Forscher der Uni Zürich. – Zumindest bei MäusenGrippemedikamente wie Tamiflu könnten auch bei entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt werden, meinen Forscher der Uni Zürich. – Zumindest bei Mäusen.

Zürich – Trillionen von Bakterien besiedeln den menschlichen Darm. Die Zusammensetzung dieser Bakterienpopulation ist sehr variabel und wird durch unsere Ernährung beeinflusst. Krankheiten, aber auch Antibiotika-Behandlungen, können zu signifikanten Verschiebungen innerhalb dieses Gleichgewichts führen. Kritische Situationen treten etwa dann auf, wenn sich ganze Bakteriengruppen plötzlich stark vermehren. Sie können das Darmgewebe beschädigen und zu Entzündungen führen.
Wie solche Umverteilungen ausgelöst werden, war bislang noch weitgehend unbekannt. Jetzt haben Physiologen der Universität Zürich entdeckt, warum sich das Darmbakterium Escherichia coli stark vermehrt und entzündungsfördernd wirkt.
Ein Kohlenhydrat vermehrt Escherichia coli
Im Normalzustand sind Escherichia coli harmlos und machen nur rund 0,1 Prozent der Darmflora aus. Wenn sie jedoch in großen Mengen vorkommen, können sie Durchfall oder eine schwere Darmentzündung auslösen. Die Forscher konnten zeigen, dass eine Überproduktion von Escherichia coli auf die Verfügbarkeit des Kohlenhydrats Sialinsäure zurückzuführen ist. Diese kommt in großen Mengen in den Proteinen der Darmschleimhaut vor.
Damit die Bakterien die Sialinsäure überhaupt verwerten können, sind sie auf die Mithilfe des Enzyms Sialidase angewiesen, das von anderen Darmbakterien freigesetzt wird. "Bemerkenswert ist, dass Escherichia coli selber keine solche Enzyme produziert", erklärt Thierry Hennet vom Physiologischen Institut der Uni Zürich.
Sialidase-Hemmer wirken gegen Darmentzündungen
Hennet und seinen Kollegen ist es gelungen, die komplexe Ereigniskette einer schweren, durch Escherichia coli ausgelösten Entzündung nachzuweisen: Eine Verletzung der Darmschleimhaut von Mäusen führt zuerst zur starken Vermehrung eines nicht krankheitserregenden Bakteriums, das Sialidase abgibt. Diese verstärkte Enzymproduktion setzt Sialinsäure frei, die eine Überproduktion von Escherichia coli fördert und damit zu einer Darmentzündung führen kann.
Die Forscher fanden zudem heraus, dass durch die Einnahme eines Sialidase-Hemmers die übermäßige Bildung vom Escherichia coli verhindert und somit die Krankheitssymptome gelindert werden konnten. Solche Sialidase-Hemmer wurden bereits gegen das Influenzavirus entwickelt. "Derivate von bekannten Grippe-Wirkstoffen wie zum Beispiel Tamiflu und Relenza könnten somit ebenfalls bei entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt werden", sagt Thierry Hennet. (red, 25.8.2015)




Montag, 10. August 2015

Biologisches Alter: Sie glauben, Sie sind 38? Vielleicht sind Sie schon 61

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/biologisches-alter-sie-glauben-sie-sind-38-vielleicht-sind-sie-schon-61-a-1042290.html

Biologisches Alter:

 Sie glauben, Sie sind 38? Vielleicht sind Sie schon 61


Biomarker Chromosom (Illustration): Die einzelnen Telomere verkürzen sich im Alter


Biomarker Chromosom (Illustration):
 Die einzelnen Telomere verkürzen sich im Alter

Ein Forscherteam hat rund tausend 38-Jährige untersucht und festgestellt: Manche sind fit, als wären sie zehn Jahre jünger; andere haben die körperliche Verfassung von Senioren. Wie kann das sein?
Falten oder graue Haare sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein Gegenüber nicht mehr ganz jung ist. Dennoch spielt mancher Rentner aktiv Tennis, während ein anderer dazu nicht mehr in der Lage ist. Das biologische Alter der Menschen unterscheidet sich stark. Und das tut es bereits in jungen Jahren. "Wenn wir bestimmte altersbedingte Krankheiten verhindern wollen, müssen wir das Altern schon bei jungen Menschen untersuchen", sagt Dan Belsky von der Duke University.
Falten oder graue Haare sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein Gegenüber nicht mehr ganz jung ist. Dennoch spielt mancher Rentner aktiv Tennis, während ein anderer dazu nicht mehr in der Lage ist. Das biologische Alter der Menschen unterscheidet sich stark. Und das tut es bereits in jungen Jahren. "Wenn wir bestimmte altersbedingte Krankheiten verhindern wollen, müssen wir das Altern schon bei jungen Menschen untersuchen", sagt Dan Belsky von der Duke University.
Der Gerontologe und sein Team haben mit 18 verschiedenen Markern etwa zur Nieren- und Lungenfunktion das biologische Alter von rund tausend 38-jährigen Menschen bestimmt. Erstaunlich: Das biologische Alter der Untersuchten lag zwischen 28 und 61 Jahren. Die Ergebnisse haben die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht.
Blutgefäße als Indikator
Grundlage der Analyse ist die sogenannte Dunedin-Studie: Im Rahmen dieser fortlaufenden Langzeit-Erhebung wurden 1037 Menschen aus der neuseeländischen Stadt Dunedin von ihrer Geburt bis zu ihrem 38. Lebensjahr regelmäßig medizinisch und psychologisch untersucht.
Das internationale Forscherteam überprüfte 18 Biomarker, zu denen Werte der Leber und des Immunsystems gehörten. Zusätzlich wurden Cholesterin, Herzfitness und die Länge der Telomere gemessen, das sind die Chromosomenenden, die sich im Alter verkürzen. Die Studie erfasste auch die Zahngesundheit sowie den Zustand der kleinen Blutgefäße hinter dem Auge, die als Indikator für den Zustand der Blutgefäße im Hirn gelten.
Chronologisch ein Jahr älter, biologisch drei
Aus diesen Werten berechneten die Wissenschaftler das biologische Alter der 38-jährigen Probanden in der aktuellen Studie. Um die individuellen Altersprozesse bestimmen zu können, verglichen die Forscher die Daten dann mit den Untersuchungsergebnissen der Studienteilnehmer, als diese 26 und 32 Jahre alt waren. Es zeigte sich, dass die meisten Teilnehmer tatsächlich jedes Jahr um ein biologisches Jahr gealtert waren.
Einige aber waren jedes chronologische Jahr um drei Jahre gealtert, während andere gar nicht alterten und damit jünger blieben, als in ihrem Pass steht. Diejenigen, deren biologisches Alter über 38 Jahren lag, zeigten auch einen stärkeren IQ-Rückgang, Anzeichen für ein erhöhtesSchlaganfall- und Demenzrisiko sowie verminderte motorische Fähigkeiten. Die Spuren des Alterns waren dabei schon mit 26 Jahren nachweisbar, sagt Belsky.
Die Probanden, die biologisch älter waren als tatsächlich, schnitten auch schlechter in Gleichgewichts- und Koordinationsübungen sowie bei kognitiven Tests ab. Zudem gaben sie selbst öfter an, physiologische Probleme etwa beim Treppensteigen zu haben.
Die medizinisch erhobenen Daten wurden zusätzlich durch die Fremdwahrnehmung der Probanden gestützt: So schätzten Studenten der Duke University anhand von Fotos der 38-Jährigen deren Alter ein. Jene, die biologisch älter waren, wurden auch als älter eingestuft.
Schluss mit dem Blindekuh-Spielen
Insgesamt hoffen die Wissenschaftler, dass ihre Methode dabei hilft, in den Alterungsprozess im Ganzen einzugreifen, anstatt einzelne altersbedingte Krankheiten isoliert zu behandeln. Wertvoll dafür sind Erkenntnisse aus der Zwillingsforschung, die vermuten lassen, dass das Altern nur zu 20 Prozent genetisch bedingt ist. Der Rest geht auf Umwelteinflüsse zurück. Eben jene Umwelteinflüsse würden Raum für eine medizinische Beeinflussung des Alterungsprozesses lassen, schreiben die Forscher.
"Wenn wir älter werden, wächst unser Risiko für verschiedene Krankheiten", so Belsky. "Um mehrere Krankheiten gleichzeitig zu verhindern und nicht Blindekuh zu spielen, muss das Altern selbst unser Ziel sein."
Die Erkenntnisse von Belsky und seinen Kollegen sind vor allem vor dem Hintergrund einer alternden Weltbevölkerung relevant. So warnte die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits vor denHerausforderungen für die Gesundheitssysteme. Im Jahr 2020 werde der Anteil derjenigen, die 60 Jahre und älter seien, erstmals über der Anzahl der unter Fünfjährigen liegen, so die WHO.
Im Jahr 2050 sei mit zwei Milliarden Älteren zu rechnen, verglichen mit 841 Millionen heute. Für Deutschland prognostiziert das Statistische Bundesamt 2050 einen Anteil der über 65-Jährigen von fast einem Drittel an der Gesamtbevölkerung.
Der Gerontologe und sein Team haben mit 18 verschiedenen Markern etwa zur Nieren- und Lungenfunktion das biologische Alter von rund tausend 38-jährigen Menschen bestimmt. Erstaunlich: Das biologische Alter der Untersuchten lag zwischen 28 und 61 Jahren. Die Ergebnisse haben die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht.
Blutgefäße als Indikator
Grundlage der Analyse ist die sogenannte Dunedin-Studie: Im Rahmen dieser fortlaufenden Langzeit-Erhebung wurden 1037 Menschen aus der neuseeländischen Stadt Dunedin von ihrer Geburt bis zu ihrem 38. Lebensjahr regelmäßig medizinisch und psychologisch untersucht.
Das internationale Forscherteam überprüfte 18 Biomarker, zu denen Werte der Leber und des Immunsystems gehörten. Zusätzlich wurden Cholesterin, Herzfitness und die Länge der Telomere gemessen, das sind die Chromosomenenden, die sich im Alter verkürzen. Die Studie erfasste auch die Zahngesundheit sowie den Zustand der kleinen Blutgefäße hinter dem Auge, die als Indikator für den Zustand der Blutgefäße im Hirn gelten.
Chronologisch ein Jahr älter, biologisch drei
Aus diesen Werten berechneten die Wissenschaftler das biologische Alter der 38-jährigen Probanden in der aktuellen Studie. Um die individuellen Altersprozesse bestimmen zu können, verglichen die Forscher die Daten dann mit den Untersuchungsergebnissen der Studienteilnehmer, als diese 26 und 32 Jahre alt waren. Es zeigte sich, dass die meisten Teilnehmer tatsächlich jedes Jahr um ein biologisches Jahr gealtert waren.
Einige aber waren jedes chronologische Jahr um drei Jahre gealtert, während andere gar nicht alterten und damit jünger blieben, als in ihrem Pass steht. Diejenigen, deren biologisches Alter über 38 Jahren lag, zeigten auch einen stärkeren IQ-Rückgang, Anzeichen für ein erhöhtesSchlaganfall- und Demenzrisiko sowie verminderte motorische Fähigkeiten. Die Spuren des Alterns waren dabei schon mit 26 Jahren nachweisbar, sagt Belsky.
Die Probanden, die biologisch älter waren als tatsächlich, schnitten auch schlechter in Gleichgewichts- und Koordinationsübungen sowie bei kognitiven Tests ab. Zudem gaben sie selbst öfter an, physiologische Probleme etwa beim Treppensteigen zu haben.
Die medizinisch erhobenen Daten wurden zusätzlich durch die Fremdwahrnehmung der Probanden gestützt: So schätzten Studenten der Duke University anhand von Fotos der 38-Jährigen deren Alter ein. Jene, die biologisch älter waren, wurden auch als älter eingestuft.
Schluss mit dem Blindekuh-Spielen
Insgesamt hoffen die Wissenschaftler, dass ihre Methode dabei hilft, in den Alterungsprozess im Ganzen einzugreifen, anstatt einzelne altersbedingte Krankheiten isoliert zu behandeln. Wertvoll dafür sind Erkenntnisse aus der Zwillingsforschung, die vermuten lassen, dass das Altern nur zu 20 Prozent genetisch bedingt ist. Der Rest geht auf Umwelteinflüsse zurück. Eben jene Umwelteinflüsse würden Raum für eine medizinische Beeinflussung des Alterungsprozesses lassen, schreiben die Forscher.
"Wenn wir älter werden, wächst unser Risiko für verschiedene Krankheiten", so Belsky. "Um mehrere Krankheiten gleichzeitig zu verhindern und nicht Blindekuh zu spielen, muss das Altern selbst unser Ziel sein."
Die Erkenntnisse von Belsky und seinen Kollegen sind vor allem vor dem Hintergrund einer alternden Weltbevölkerung relevant. So warnte die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits vor denHerausforderungen für die Gesundheitssysteme. Im Jahr 2020 werde der Anteil derjenigen, die 60 Jahre und älter seien, erstmals über der Anzahl der unter Fünfjährigen liegen, so die WHO.
Im Jahr 2050 sei mit zwei Milliarden Älteren zu rechnen, verglichen mit 841 Millionen heute. Für Deutschland prognostiziert das Statistische Bundesamt 2050 einen Anteil der über 65-Jährigen von fast einem Drittel an der Gesamtbevölkerung.

Sonntag, 9. August 2015

Ärzte – Alkoholiker, medikamentenabhängig und übergewichtig?

http://naturheilt.com/blog/aerzte-alkoholiker-medikamentenabhaengig-uebergewichtig/

Von Rene Gräbner
Mit diesem Beitrag mache ich mir sicher keine Freunde. Vielleicht schiebe ich mal eine kleine Analogie aus dem Sport vorneweg, denn ich bin ja auch noch als Trainer „engagiert“ (siehe: Der-Fitnessberater.de). Also: wenn Menschen, die etwas besonders gut können (Experten also), den allgemeinen Maßstab für ihre spezielle Fähigkeit abliefern und Vorbildfunktion haben sollten,  was erwartet man dann von solchen „Experten“?
Klar: Von einem Fahrlehrer, dass er gut Auto fahren kann. Von einem Sprachlehrer, dass er vielleicht die Sprache, die er lehrt, von Kindesbeinen an beherrscht. Und von einem Sportlehrer, dass er die Übung beherrscht, die er anderen „beibringen“ will…
Nicht umsonst werden deshalb auch „Koryphäen“ aus dem öffentlichen Leben in der Werbung vor die Kamera gezerrt, damit sie als Meinungsbildner in ihren Metier noch glaubwürdiger die Qualität des jeweiligen Produkts unterstreichen.
Jetzt zu den Ärzten. Diese sollten Experten und Vorbild in Sachen „Gesundheit“ sein. In der Werbung dürfen diese nur deswegen nicht auftreten, weil es ein gesetzliches Verbot dazu gibt. Aber das sollte Ärzte doch nicht daran hindern, selbst die gesündesten Zeitgenossen zu sein, oder etwa nicht?
Der Test
Wenn man sich „googelnd“ auf die Suche nach den Begriffen „Arzt“ und „Sucht“, „Suizid“ und „Übergewicht“ macht, dann wird man reich belohnt. Denn es gibt zig Tausende von Beiträgen, die die heroische Bekämpfung dieser Übel durch die werte Ärzteschaft belegen und thematisieren. Wenn man aber weniger an der evidenzbasierten Überlegenheit der Schulmedizin über diese Übel interessiert ist, sondern an der Frage, gibt es auch Fälle, wo überlegene Schulmediziner süchtig, suizidal und/oder adipös sind, dann schrumpft die Menge an Beiträgen blitzartig auf Körnchengröße zusammen. Dafür hat das Bisschen, was übrig geblieben ist, einiges an Explosivität zu bieten.
Übergewichtige Ärzte: „Mein dicker Doktor“
Eine Ausgabe des „Focus“ vom Juni 2004 (focus.de/gesundheit/news/uebergewicht_aid_83987.html) bringt einen „schönen“ kurzen Beitrag zu diesem für die Schulmedizin unerfreulichen Thema: „Dicke Diät-Ärzte“. Denn, so berichtet der „Focus“, es trafen sich auf einem amerikanischen Kongress rund 420 Ärzte der American Medical Association (AMA). Als „Nebenschauplatz“ wurden die Teilnehmer gewogen. Und das Ergebnis zeigte, dass nur ein Drittel der 420 Doktoren normalgewichtig war. Fast 20 Prozent = über 80 Ärzte waren sogar adipös, was sie auf jeden Fall zu behandlungsbedürftigen Patienten machen würde, wenn man die schulmedizinischen Kriterien zugrunde legt.
Aber es gab sofort die Absolution für die dicken Ärzte vom Veranstalter des AMA-Kongresses: Ärzte müssen dick sein, da sie zu viel für unser Wohl arbeiten müssen, sich auf aufopfern sozusagen, und da kommt die immer wieder den Patienten gepredigte körperliche Betätigung selbst zu kurz. Was davon zu halten ist, das kann man am Beispiel „Essen“ sehen:
„Immerhin hätten sie schon mit einigen Aktionen unter Ärzten für gesünderes Essen geworben. Während der Kongresspause war davon allerdings noch nichts zu sehen. Es gab ausschließlich Dickmacher wie Weißbrot, Würstchen, Eier und Frühstücksspeck. Obst und Gemüse dienten nur zur Dekoration.“
Hier kommt der Verdacht auf, dass die Ärzte uns aufopferungsvoll all das ungesunde Essen wegfressen, damit wir nur noch gesundes Obst und Gemüse essen und gesund werden. Und wenn ich mir ansehe, was in manchen Krankenhäusern an „Essen“ serviert wird, dann bekommt das Wort „Krankenhaus“ eine ganz neue Bedeutung…
Eine weniger blauäugige Interpretation solcher Beobachtungen geht davon aus, dass Ärzte aus verschiedenen Gründen noch ungesünder leben als ihre Patienten, sei es aus Unkenntnis, dem Irrglauben, dass schulmedizinisches Wissen vor Krankheiten schützt oder aus Bequemlichkeit wie bei einer Reihe von Leuten. Aber da stehen die Zahlen von zwei Dritteln der Ärzte mit Übergewicht beziehungsweise Fettleibigkeit in der Welt, die noch weit über dem Durchschnitt der „Normalbevölkerung“ liegt. Man könnte hier argumentieren, dass 420 Teilnehmer keine repräsentative Menge darstellt. Das wage ich aber zu bezweifeln. Denn in der schulmedizinischen Wissenschaft manche Arbeiten schon als „wissenschaftlich“, wenn diese mit nur 7 oder 14 Teilnehmern durchgeführt wurden.
Um sicherzugehen, dass ich mich mit diesen Zahlen nicht verrenne, habe ich weiter gesucht und wieder fast nichts gefunden. Unter „Vorbehalte gegen übergewichtige Ärzte“ von „SpringerMedizin.at“ (springermedizin.at/artikel/6795-vorbehalte-gegen-uebergewichtige-aerzte) wird von einer Studie aus Wales berichtet, bei der 39 Prozent der Doktoren und 29 Prozent der Doktorinnen übergewichtig waren. Diese Zahlen sind schon deutlich niedriger als die zuvor Genannten, sind aber für mich ein Beleg (oder sollte ich besser sagen „Beweis“), dass die Damen und Herren Schulmediziner evidenzbasiert gesundheitlich ebenso schlecht oder schlechter abschneiden wie die Leute, die sie behandeln?
Da fragt man sich, wie es angehen kann, einen Arzt zu konsultieren, der die gleichen Fehler in Sachen Gesundheit, gesunder Lebensführung etc. zu machen scheint wie seine Patienten? Oder kann jemand, der sich gesundheitlich so in Bedrängnis bringt, überhaupt Patienten behandeln, wenn er sich nicht einmal selbst behandeln kann? Die Frage die sich dann stellt ist doch: Wie weit kann ich solchen Ärzten glauben?
„Fitforfun“ (fitforfun.de/beauty-wellness/gesundheit/uebergewicht-dicke-aerzte-zu-nachgiebig_aid_12098.html) gibt dazu Auskunft. Der Artikelschreiber erwähnt dort eine Studie aus der John Hopkins Bloomberg School of Public Health. Diese Studie untersuchte den Einfluss des Body-Mass-Indexes des behandelnden Arztes auf seine Untersuchungspraxis von übergewichtigen Patienten. Das Ergebnis: Angeblich scheinen dicke Ärzte sich zu scheuen, ihre dicken Patienten auf Diät zu setzen.
Onmeda.de (onmeda.de/g-ernaehrung/diaetplan-1617.html) erwähnt ebenfalls diese Studie, kommt aber zu ganz anderen Ergebnissen. Denn die Spezialisten von Onmeda wollen gesehen haben, dass „dicke Patienten den Diät-Tipps von übergewichtigen Ärzten“ mehr vertrauen als denen von normalgewichtigen Medizinern. Oder mit anderen Worten: Je dicker ein Arzt ist, umso glaubwürdiger ist er bei seinen dicken Patienten. Dann aber kommt der große Schwenk in der Geschichte. Denn ein paar Zeilen weiter im Artikel haben die dicken Patienten dann doch plötzlich „ein ungutes Gefühl, wenn ihr Arzt zu dick ist“.
Es wäre auch zu schön gewesen, wenn Dicksein bei Dicken das Vertrauen uneingeschränkt fördern würde. Denn dann wäre das Ergebnis der Studie gewesen, dass man zum Beispiel als Krebspatient sich nur noch von krebskranken Ärzten behandeln lassen sollte. Und wenn man vom Art gesagt bekommt, dass man an Diabetes erkrankt ist, dann muss man sofort den Arzt zurückfragen, ob er auch Diabetes hat oder er einen Arzt kennt, der an der Krankheit ebenfalls leidet.
Das eben erwähnte „SpringerMedizin.at“ kann auch einen Beitrag zu dieser Frage machen. Die Webseite zitiert eine Studie aus Georgia, USA, bei der Patientinnen schlanken beziehungsweise normalgewichtigen Hausärzten ein größeres Vertrauen aussprachen als übergewichtigen. Begründet wird das verminderte Vertrauen übergewichtigen Ärzten gegenüber mit der Vorbildfunktion, die ein Arzt in gesundheitlichen Fragen haben sollte.
Kommen wir zum nächsten unangenehmen Thema:
Süchtige und medikamentenabhängige Ärzte
Was wir eben beim Übergewicht gesehen haben, scheint für das Suchtverhalten von Ärzten ebenfalls zuzutreffen. Die „Zeit“ (zeit.de/2003/32/M-Sucht_8arzte) weiß zu berichten, dass Mediziner häufiger Drogen nehmen als andere Berufsgruppen. Sie sind durchschnittlich doppelt so häufig medikamentenabhängig wie die Normalbevölkerung. Grund dafür sind zu hohe Arbeitsbelastung, ein relativ unproblematischer Zugang zu Medikamenten und Drogen und eine „berufsbedingte“ Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten, mit einer aufkeimenden Sucht umzugehen. Und weil es so schön ist, trinkt man zur Belohnung nach einem arbeitsreichen, stressgeplagten Tag oder man sieht es als gute Ablenkung an, wenn der Tag nicht so gut gelaufen ist (Trinken zur Belohnung, Trinken zur Ablenkung – Süddeutsche Zeitung).
Die „ÄrzteZeitung“ (aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/509302/hilfe-statt-berufsverbot-suechtige-niedergelassene.html) spricht von 7000 bundesweit süchtigen Ärzten, Stand September 2008. Bei der Widersprüchlichkeit der angegebenen Zahlen, wie eingangs bei der Schätzung der Anzahl von übergewichtigen Ärzten gesehen, würde es mich nicht wundern, wenn diese Zahl eher die Spitze des berühmten Eisberges darstellt.
Es ist selbstverständlich, dass die Gründe für eine latent höhere Suchtbereitschaft der Ärzte von offizieller Seite heruntergespielt wird. Das „Ärzteblatt“ (aerzteblatt.de/archiv/131954/Suchtintervention-bei-Aerzten-Ein-schmaler-Grat) beschreibt und lobt die Möglichkeiten, die es für alkoholsüchtige Ärzte gibt, sich von ihrem Übel zu befreien. Es werden klitzekleine Zahlen genannt, wie „jedes Jahr sechs Ärzte“ in Hamburg, die sich in ein Entzugsprogramm begeben. Dafür sind die Heilungsraten mit 75 Prozent geradezu bombastisch. Und dann gibt es noch weitere 15 Prozent, die ein oder ein paar Mal rückfällig werden und es dann doch noch schaffen.
Wenn ich mich recht erinnern kann, dann sind die Rückfallquoten bei Alkoholikern mit 70 bis 90 Prozent die Realität bei den normal Sterblichen, ganz evidenzbasiert. Warum also sind die Rückfallquoten bei den Ärzten so gering? Würden die richtigen Zahlen mit den richtigen Rückfallquoten an der Vorbildfunktion der Ärzte rütteln und aus den Fugen heben? Und wenn die Rückfallquoten wirklich so gering sind, warum werden die Betroffenen dann überhaupt süchtig? Denn auch nach erfolgreicher Rehabilitation und Entzug sind die Auslöser und Ursachen für das Süchtig-werden nicht verschwunden.
Und als ob das noch nicht genug ist, kommt eine weitere „Schreckenszahl“ dazu:
Selbstmordrate unter Ärzten
Der Thieme Verlag (Suizidalität bei Medizinerinnen und Medizinern) hat sich dieses heiklen Themas angenommen. Hier erfahren wir, dass Mediziner ein 4- bis 7-fach höheres Selbstmordrisiko haben als ihre Patienten. Depressionen, Burnout, Überbelastung, daraus resultierende Medikamentenabhängigkeit und Alkoholabhängigkeit und so weiter werden als Ursache genannt. Da man als Arzt aber therapieren und nicht selbst therapiert werden will, versuchen die meisten eine Selbsttherapie, die so gut wie nie funktioniert. Ein sich „Outen“ bei anderen Ärzten birgt immer die Gefahr, dass das eigene Problem publik wird und die entsprechenden Behörden informiert werden. Die Konsequenz wäre dann der Entzug der Approbation, was den Problemberg nur noch vergrößern würde. Am Ende steht dann nur noch die Verzweiflung, weil auch die Selbsttherapie versagt und die Situation als ausweglos erscheint.
Der „praktischArzt“ (praktischarzt.de/blog/blog-assistenzarzt/selbstmord-aerzte/) spricht von 100 bis 200 Ärzten pro Jahr, die Selbstmord begehen. Und die Dunkelziffer soll bedeutend höher liegen. Hier erfahren wir auch, dass „mehr als 10 Prozent aller Ärzte mindestens einmal in ihrem Leben Alkohol- oder Medikamentenabhängig werden“. Im vorherigen Kapitel gab es die Zahl von 7000 süchtigen Ärzten in Deutschland. Bei 10 Prozent ergäbe das eine Ärztedichte von 70.000 Medizinern in Deutschland. Hat Deutschland wirklich so wenig Ärzte?
Fazit
Das Fazit ist erschreckend! Mehr dicke Ärzte als der Bevölkerungsdurchschnitt, mehr abhängige Ärzte als der Bevölkerungsdurchschnitt und eine höhere Selbstmordrate – wie kann es sein, dass Vorbilder so wenig vorbildlich abschneiden und dennoch besser wissen wollen, was gesundheitlich für uns Patienten gut ist?
Da scheint es nicht weiter verwunderlich zu sein, dass man es sich in der Schulmedizin leicht zu machen scheint und mit abenteuerlichen Studien die abenteuerlichsten Beweise für die eigene Selbstherrlichkeit in Sachen Therapie von Erkrankungen aus dem Hut zaubert.
Oder wird umgekehrt ein Schuh draus? Das, was an schulmedizinischen Studien und Therapievorschriften produziert wird, ist in der Tat ein Grund depressiv zu werden. Denn wer mit untauglichen Mitteln Tag für Tag Unmögliches leisten muss, der wird scheitern. Da kann man schon mal verzweifeln, besonders wenn man das eigene Scheitern nicht zugeben darf.
Natürlich gibt es noch weitere Gründe, warum dies so sein könnte. Ich möchte meine Heilpraktiker-Kollegen auch nicht von diesen Dingen ausnehmen – allerdings sind da (leider) keine Zahlen zu finden. Vielleicht kann mein Beitrag dazu dienen, das Thema nicht weiter unter den Teppich zu kehren, sondern sich damit auseinanderzusetzen. Schließlich sind wir alle nur „Menschen“…



Mittwoch, 5. August 2015

So läuft's hinter den Kulissen des Kölner Stadionbads

http://www.express.de/koeln/hygiene--chlor--filter----so-laeuft-s-hinter-den-kulissen-des-koelner-stadionbads,2856,31378782.html

HYGIENE, CHLOR, FILTER...So läuft's hinter den Kulissen des Kölner Stadionbads

Von 

Samstag, 1. August 2015

"Die Pharmaindustrie ist schlimmer als die Mafia"

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/kritik-an-arzneimittelherstellern-die-pharmaindustrie-ist-schlimmer-als-die-mafia-1.2267631


Kritik an Arzneimittelherstellern"Die Pharmaindustrie ist schlimmer als die Mafia"

Medikamente


Medikamente sollen uns ein langes, gesundes Leben bescheren. Doch die Pharmaindustrie bringt mehr Menschen um als die Mafia, sagt der dänische Mediziner Peter C. Gøtzsche - und fordert für die Branche eine Revolution.


von Markus C. Schulte von Drach
Wer wünscht sich nicht ein langes, gesundes Leben? Die Pharmaindustrie entwickelt, testet und vertreibt die Mittel, die das gewährleisten sollen. Doch der Mediziner Peter C. Gøtzsche hält das gegenwärtige System für gescheitert. Der Däne hat selbst für Arzneimittelhersteller gearbeitet, dann die Seiten gewechselt und leitet heute das Nordic Cochrane Center in Kopenhagen. In seinem Buch "Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität" übt er heftige Kritik an der Branche.
SZ.de: Kürzlich ist aufgeflogen, dass eine Firma in Indien Daten gefälscht hat, um Studien für internationale Pharmakonzerne besser aussehen zu lassen. Sie behaupten, dass auch die Pharmaindustrie selbst Studien manipuliert. Aber Sie machen der Branche weitere schwere Vorwürfe. Sie sprechen sogar von organisierter Kriminalität und Mafia.
Immer mehr Arzneimittelhersteller stehen für ihre Machenschaften in der Kritik: Es wird gefälscht, Nebenwirkungen verschleiert und Kontrollen ausgetrickst. Aber ist die "Pharmaindustrie schlimmer als die Mafia"?Ihr Forum
Peter C. Gøtzsche: Ja, der weltweit größte Medikamentenhersteller Pfizer zum Beispiel hat in den USA 2009 nach einem Prozess wegen der illegalen Vermarktung von Arzneimitteln 2,3 Milliarden Dollar gezahlt. Das Unternehmen GlaxoSmithKline war 2011 sogar bereit, drei Milliarden Dollar zu zahlen, um einen Prozess wegen Arzneimittelbetrugs zu beenden. Bei Abbot waren es immerhin 1,5 Milliarden, Eli Lilly zahlte 1,4 Milliarden, Johnson & Johnson 1,1 Milliarden. Bei den anderen großen Unternehmen waren es Summen im zwei- und dreistelligen Millionenbereich. Immer ging es um Betrug und Irreführung, Bestechung oder Vermarktung nicht zugelassener Mittel.
Diese Straftaten erfüllen die Kriterien für das organisierte Verbrechen, deshalb kann man von Mafia reden. In einem Prozess gegen Pfizer haben die Geschworenen 2010 ausdrücklich festgestellt, dass die Firma über einen Zeitraum von zehn Jahren gegen das sogenannte Rico-Gesetz gegen organisierte Kriminalität verstoßen hat.
Was ist mit der Firma Roche? Die fehlt in Ihrer Aufzählung.
Dieses Unternehmen hat 2009 den USA und europäischen Ländern für mehrere Milliarden Euro und Dollar das Grippemittel Tamiflu verkauft. Sie wollten sich mit diesen Vorräten gegen eine Grippe-Epidemie wappnen. Allerdings hatte Roche nur einen Teil der Studien zur Wirksamkeit veröffentlicht. Aufgrund des öffentlichen Druckes haben sie die Daten inzwischen zugänglich gemacht. Demnach nutzt das Mittel noch weniger als befürchtet, kann aber in einigen Fällen schwere Nebenwirkungen auslösen. Meiner Meinung nach hat die Firma so den größten Diebstahl aller Zeiten begangen.
Sind das nicht Verstöße einzelner schwarzer Schafe in einigen Unternehmen? Und was ist mit kleineren Firmen?
Ich habe bei meinen Recherchen nicht alle kleinen Firmen berücksichtigt, sondern die wichtigsten Unternehmen. Es arbeiten außerdem natürlich viele anständige Leute in der Pharmaindustrie. Es gibt sogar Kritiker innerhalb der Unternehmen. Aber das sind nicht die, die bestimmen, wo es langgeht. Mir geht es darum, dass das ganze System mit seiner Art, wie Medikamente produziert, vermarktet und überwacht werden, gescheitert ist.
Sie werfen den Unternehmen vor, dass sie Mittel auf den Markt gedrückt haben, obwohl sie schädlich und für viele Patienten sogar tödlich waren.
Dafür gibt es etliche Beispiele. Die Pharmaunternehmen sind deshalb sogar schlimmer als die Mafia. Sie bringen viel mehr Menschen um.
Können Sie Beispiele nennen?
Etwa Schmerzmittel wie Vioxx, von denen bekannt war, dass sie einHerzinfarktrisiko darstellen und zum Tod führen können. Vioxx kam ohne ausreichende klinische Dokumentation auf den Markt, weshalb Merck vor Gericht stand und 2011 immerhin 950 Millionen Dollar zahlen musste.
Bevor es vom Markt genommen wurde, wurde das Mittel bei Rückenschmerzen eingesetzt, bei Tennisarm, bei allen möglichen Leiden. Vielen Patienten wäre es aber schon mit Paracetamol oder auch ganz ohne Medikamente wieder gutgegangen - und jetzt sind sie tot. Das ist eine Tragödie.
Wissenschaftler der Food and Drug Administration (FDA), also der US-Zulassungsbehörde, haben geschätzt, in den USA könnte Vioxx bis zu 56 000Patienten getötet haben . . .
Mit dem Mittel wurden mehr als 80 Millionen Menschen in mehr als 80 Ländern behandelt. Meinen Schätzungen zufolge sind es deshalb etwa 120 000Todesopfer weltweit gewesen. Und Celebrex von Pfizer, das mit Vioxx vergleichbar ist, wurde dem Unternehmen zufolge bis 2004 weltweit 50Millionen Menschen verabreicht. Es dürfte bis zu diesem Jahr also etwa 75 000Patienten getötet haben. Das Mittel wird für einige Krankheiten noch immer verschrieben. Obwohl Pfizer Millionen Dollar zahlen musste, weil sieStudienergebnisse zur Sicherheit des Mittels falsch dargestellt hatten.
Andere Beispiele für Mittel, die so auf den Markt gedrückt wurden, sind Schlankheitspillen wie Redux und Pondimin, das Epilepsie-MedikamentNeurontin, das Antibiotikum Ketek oder das Diabetesmittel Avandia.
In Ihrem Buch weisen Sie auch auf besondere Probleme mit Psychopharmaka hin.
Ich schätze, dass allein das Antipsychotikum Zyprexa (Anm. d. Red.: Mittel zur Behandlung schizophrener Psychosen) von Eli Lilly etwa 200 000 der 20Millionen Patienten, die das Mittel weltweit genommen haben, umgebracht hat. Denn Studien an Alzheimer-Patienten haben gezeigt, dass es unter hundert Patienten, die mit solchen atypischen Antipsychotika behandelt werden, zu einem zusätzlichen Todesfall kommt. Es handelte sich in den Studien zwar um ältere Patienten, die Untersuchungen dauerten aber meist auch nur zehn bis zwölf Wochen. Im realen Leben werden Patienten meist jahrelang behandelt. Außerdem wurde Zyprexa häufig Älteren verordnet, obwohl es etwa für Demenz, Alzheimer und Depressionen gar nicht zugelassen war. Deshalb musste das Unternehmen 1,4 Milliarden Dollar wegen illegaler Vertriebsmethoden bezahlen. Der Umsatz mit Zyprex lag zwischen 1996 und2009 allerdings bei 39 Milliarden Dollar.
Peter C. Gøtzsche

Peter C. Gøtzsche ist Facharzt für innere Medizin. Er leitet das Nordic Cochrane Centre in Kopenhagen. 
(Foto: Privat)
Auch eine weitere Gruppe Psychopharmaka, die Antidepressiva, ist gefährlich.Ältere Patienten verkraften diese Mittel schlecht. Und es ist bekannt, dass Mittel wie Seroxat (Paxil) von GlaxoSmithKline unter Kindern und Jugendlichen das Suizidrisiko erhöht haben. Außerdem behaupteten die Autoren der wichtigsten Studie zu Seroxat bei schweren Depressionen bei Jugendlichen, das Mittel sei wirksam und sicher. Aber die Ergebnisse belegten das gar nicht, wie eine Überprüfung der Daten gezeigt hat.
Die Firma hat es dann auch noch als Medikament für Kinder angepriesen, obwohl es dafür gar nicht zugelassen war. Das war einer der Gründe dafür,weshalb sie drei Milliarden Dollar zahlen musste.
Es gibt Wissenschaftler, die heute wieder sagen, die Suizidgefahr für Kinder und Jugendliche würde nicht erhöht.
Die FDA und andere Zulassungsbehörden weltweit haben sie offenbar nicht überzeugt, die warnen noch immer davor. Auch der letzte Review der Cochrane Collaboration zu diesen Mitteln bestätigt, dass es Hinweise auf ein erhöhtes Selbsttötungsrisiko gibt. Über neuere Studien wird diskutiert. Aber für mich gibt es keinen Zweifel, dass das Risiko erhöht ist.